"Leihmutterschaften"

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Jeannette-Anna Hollmann
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"Leihmutterschaften"

Beitrag von Jeannette-Anna Hollmann » Di 21. Jul 2026, 00:31

Ein mächtiger Mensch nimmt Geld in die Hand, bestellt ein Kind und nimmt dabei dessen Traumatisierung und Entwürdigung billigend in Kauf.

Dann stellt er sich mit glücklichen Fotos in die Öffentlichkeit. Ich lese darin die Botschaft: Entscheidend ist, dass mein Wunsch erfüllt wurde. Was diese Entscheidung für das Kind bedeutet, spielt zunächst keine Rolle.

Das ist meine persönliche Haltung. Man kann über einzelne Punkte sprechen, meine Bewertung teilen oder ihr widersprechen. Ich möchte erklären, warum ich zu dieser Schlussfolgerung komme.

Ein Kind entwickelt sich im Mutterleib nicht in einem neutralen Behälter. Stress während der Schwangerschaft hat Auswirkungen auf seine Entwicklung. Wir können nicht bei jedem einzelnen Kind exakt bestimmen, welche spätere Wirkung auf welchen pränatalen Einfluss zurückgeht. Aber der Stress der austragenden Frau bleibt nicht außerhalb des kindlichen Organismus.

Bei einer Leihmutterschaft steht von Anfang an fest, dass diese Frau das Kind, das in ihrem Körper heranwächst, nach der Geburt abgeben wird. Welche Ambivalenz entsteht daraus? Welche innere Distanzierung ist möglicherweise notwendig, um ein Kind neun Monate lang auszutragen, von dem man weiß, dass man es unmittelbar nach seiner Geburt hergeben wird? Welche Anspannung, welcher wirtschaftliche Druck und welche Angst vor Bindung oder Verlust wirken auf diese Frau?

Was immer in ihr geschieht, geschieht nicht außerhalb des Kindes.

Viele Kinder aus Leihmutterschaften kommen per Kaiserschnitt zur Welt. Viele Studien weisen darauf hin, dass Kaiserschnitte ein traumatisches oder hochtraumatisches Potenzial haben können. Unmittelbar danach folgt die geplante Trennung von der Frau, deren Körper bis dahin die gesamte Welt dieses Kindes war: ihre Stimme, ihr Herzschlag, ihr Geruch, ihr hormoneller und nervlicher Rhythmus.

Diese Trennung ist kein tragischer Unfall und keine unerwartete Notlage, auf die Erwachsene anschließend so gut wie möglich reagieren. Sie ist von Anfang an Teil des Plans und Voraussetzung des Geschäfts. Das Kind wird gezeugt und ausgetragen, damit es nach der Geburt übergeben werden kann.

Pränataler Stress, möglicherweise eine operative Geburt, die unmittelbare Trennung von der ersten vertrauten Person und die Übergabe an Menschen, die das Kind biologisch nicht kennt: Über jeden einzelnen Faktor kann man diskutieren. In der Summe ist meine Haltung eindeutig. Hier wird die Traumatisierung eines Kindes für die Erfüllung eines Erwachsenenwunsches billigend in Kauf genommen.

Und dafür fließt Geld.

Dieses Geld bezahlt nicht einfach eine medizinische Leistung. Es organisiert eine Zeugung, eine Schwangerschaft, eine Geburt, eine Trennung und die anschließende Übergabe eines Menschen. Am Ende des Vertrages steht kein Produkt und keine gewöhnliche Dienstleistung. Am Ende steht ein Kind.

Genau darin liegt für mich die Entwürdigung.

Über den Körper einer Frau wird verfügt. Über die pränatale Geschichte des Kindes wird verfügt. Über seine erste Trennung, seine rechtliche Zugehörigkeit und seinen Zugang zur eigenen Herkunft wird verfügt.

Zur Struktur vieler Leihmutterschaftsmodelle gehört, dass die beteiligten Personen anonym bleiben und Daten später nicht mehr zugänglich sind oder sogar vernichtet werden. Für das Kind kann es damit unmöglich werden, jemals herauszufinden, von wem es genetisch abstammt und welche Frau es ausgetragen hat.

Damit wird ihm nicht nur Wissen vorenthalten. Ihm wird auch die spätere Möglichkeit genommen, selbst zu entscheiden, ob es seine Herkunft suchen, verstehen, annehmen, ablehnen oder in die eigene Biografie integrieren möchte.

Herkunft ist keine beiläufige Information. Sie gehört zur Identitätsbildung. Zu wissen, woher ich komme, legt nicht fest, wer ich bin. Aber es gehört zu dem Material, aus dem ich mein Verhältnis zu mir selbst entwickle.

Wenn Erwachsene einem Kind diese Möglichkeit strukturell nehmen, entscheiden sie über einen Teil seiner Identität, bevor es selbst eine Stimme hat. Auch das ist eine Entscheidung über seine Würde.

Im konkreten Fall kommt eine weitere Ebene hinzu: Dieser Junge ist schon jetzt eine öffentliche Person. Seine Entstehungsgeschichte wird dokumentiert, politisch diskutiert und digital dauerhaft auffindbar sein. In fünfzehn Jahren werden nicht nur er selbst, sondern auch Mitschüler, Lehrer, Partner, Arbeitgeber und Journalisten nachlesen können, unter welchen Umständen er entstanden ist.

Er wird nicht selbst entscheiden können, wann und wem er seine Geschichte erzählt. Andere werden sie bereits kennen.

Und er wird nicht nur erfahren, dass er mithilfe einer Leihmutter zur Welt kam. Er wird möglicherweise auch feststellen, dass seine Entstehung mit ethisch und moralisch hochproblematischen Entscheidungen verbunden war und mit der gezielten Umgehung einer Rechtsordnung, die seine eigenen Eltern politisch mitgetragen haben.

Was bedeutet es für die Identität eines jungen Menschen, wenn er erkennt, dass seine Existenz öffentlich als Glücksgeschichte gefeiert wurde, während die Bedingungen seiner Entstehung gesellschaftlich umstritten, im eigenen Land verboten und nur durch Geld und internationale Möglichkeiten realisierbar waren?

Und welches Vorbild geben Eltern einem Kind, wenn sie ihm später erklären müssen: Für andere galt dieses Verbot. Wir aber hatten die finanziellen Möglichkeiten, es im Ausland zu umgehen?

Eltern vermitteln einem Kind nicht nur durch Worte, was Verantwortung, Recht und moralische Integrität bedeuten. Sie vermitteln es durch die Art, wie sie selbst mit Grenzen umgehen, besonders dann, wenn diese Grenzen den eigenen Wünschen entgegenstehen.

Wer mich kennt oder mir schon länger folgt, weiß, dass ich ein ausgesprochener Gegner von Doppelmoral bin. Jens Spahn ist ein politisch mächtiger Mensch und Teil eines politischen Systems, in dem Leihmutterschaft in Deutschland verboten geblieben ist. Für Menschen ohne erhebliches Vermögen gilt dieses Verbot faktisch. Wer genügend Geld, Einfluss und internationale Möglichkeiten besitzt, kann sich im Ausland ermöglichen, was im eigenen Land nicht erlaubt ist.

Für andere gilt die Ordnung. Für den eigenen Wunsch wird sie umgangen.

Aber selbst diese Doppelmoral ist nicht mein zentraler Punkt.

Mein zentraler Punkt ist: Hier nimmt ein mächtiger Mensch Geld in die Hand, bestellt ein Kind und nimmt dabei dessen Traumatisierung und Entwürdigung billigend in Kauf. Anschließend wird diese Geschichte mit lächelnden Bildern als persönliches Glück präsentiert.

So lese ich diese Bilder.

Ich sehe darin keine Geschichte, in deren Mittelpunkt die Realität des Kindes steht. Ich sehe eine Geschichte, in deren Mittelpunkt die Bedürfnisbefriedigung der Erwachsenen steht.

Es geht mir dabei ausdrücklich nicht darum, die Existenz dieses Kindes infrage zu stellen. Dieses Kind trägt keinerlei Verantwortung für die Entscheidungen der Erwachsenen. Es muss seine Existenz nicht rechtfertigen.

Gerade deshalb müssen die Erwachsenen ihre Entscheidungen verantworten.

Jens Spahn hat ein Buch mit dem Titel „Wir werden einander viel verzeihen müssen“ geschrieben. Möglicherweise wird auch dieser Junge eines Tages viel zu verzeihen haben. Nur wurde er nicht gefragt, ob er diese Last tragen möchte.

Und deshalb frage ich dich als Leser:

Möchtest du in einer Gesellschaft leben, in der Würde käuflich ist?

#buyababy

Ich verlinke in den Kommentaren noch einen ausführlichen Text zu den rein juristischen Auswirkungen.

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Re: Leihmutterschaften

Beitrag von Jeannette-Anna Hollmann » Di 21. Jul 2026, 00:33

Birgit Kelle:
Ein paar Hardfacts zu vermeintlich tollen Leihmutterschafts-Verträgen in den USA, die ethisch dann irgendwie sauber sein sollen. Nach Erfahrungsberichten von Leihmüttern, die uns auch ihre Verträge überlassen haben, aber auch eigenen Recherchen bei Agenturen, die sehr bereitwillig ihre Sonderangebote und tollen Frauen anpreisen.

Jens Spahn legt ja Wert darauf, in den USA mit vermeintlich "guten" Leihmutterschafts-Verträgen sein Geschäft durchgeführt zu haben. Ein paar Fakten also zu der sauberen Welt der USA.
Dazu gilt grundsätzlich: Auch mit Verträgen wäre Menschenhandel immer noch Menschenhandel. Oder macht es die Dinge hübscher, wenn man eine Urkunde und einen Kassenzettel bekommt? Eine sicher wichtige Frage für jeden Sklavenmarkt.

1. Die Verträge nutzen nicht den Leihmüttern, sondern den Kunden, damit sie die Leihmutter unter Kontrolle haben und sie kontrollieren können, u.a. was sie zu sich nimmt, wo sie sich aufhalten darf, wohin sie reisen darf, welche Medikamente sie nehmen muss, was sie in der Schwangerschaft alles nicht darf, welche Ärzte und Kliniken sie nur noch konsultieren darf. Ob und mit wem sie Sex haben darf.

2. Aus dem Vertrag kommen sie auch nicht raus. Wer abbricht, muss die bislang entstandenen Kosten für die Besteller, die Ärzte, die Anwälte bezahlen. Das kann eine Frau nicht, sie machen es ja, um Geld zu verdienen. Wer einmal einsteigt, muss durchziehen.

3. Die Frauen sind mit ihren körperlichen und seelischen Komplikationen nach der Geburt alleine gelassen, viele können sich die Behandlungen danach nicht leisten. Es gibt massive körperliche Schäden und Risiken für die Frauen, Spätfolgen, die nicht versichert sind. Die Agenturen und Kunden sind damit raus, die Frau körperlich ruiniert. Gefäßkrankheiten, Bluthochdruck, Unfruchtbarkeit, organische Schäden sind häufigste Spätfolgen.

4. Natürlich nimmt man nur Frauen unter Vertrag, die schon Kinder haben. Spahn preist das im Podcast von Ronzheimer als vermeintliche besondere Sorgfalt an. Der Brutkasten muss bewiesen haben, dass er gebärfähig ist. So einfach ist das. Man tut es aber auch, damit die Frauen ihre Muttergefühle auf die eigenen Kinder fokussieren und keinen Anspruch auf das neue Kind erheben. Nebeneffekt: Zehntausende Kinder haben bereits zugesehen, wie ihre Mütter Geschwisterkinder verkaufen. Was macht das mit den Geschwistern?

5. Natürlich lässt man die Frauen nicht ihre eigenen Eizellen austragen, sondern setzt ihnen fremde Eier ein, auch hier, damit sie genetisch keine Verbindung zum Kind haben und keine Ansprüche später an das Kind stellen. Alles vertraglich geregelt. Das Risiko in der Schwangerschaft steigt damit extrem an, weil sie keinerlei genetische Verbindung zum Kind haben. Ihr Körper will die Schwangerschaft also ständig beenden, das Kind abstoßen. Um das zu verhindern, müssen sie starke Medikamente in der Schwangerschaft nehmen. Es gibt keine Studien, was das mit der Gesundheit der Frauen und der Ungeborenen macht. Es sind alles Hochrisikoschwangerschaften. Frühgeburten und Fehlgeburten gehören zum Alltag.

6. Ebenfalls in den Verträgen geregelt wird, dass Frauen sich mit allen medizinischen Eingriffen einverstanden erklären müssen, dass sie auch gesunde Kinder abtreiben müssen, wenn sie nicht mehr gewollt sind, das falsche Geschlecht haben oder wenn sich aus Versehen Mehrlingsgeburten entwickeln, die man gar nicht will. Diese Kinder werden dann "reduziert", so der Fachausdruck für das Töten im Mutterleib. Gerade wird in Kanada eine Leihmutter von ihren Bestellern verklagt, weil sie nicht abtreiben wollte.

7. Die Mütter werden in manchen Bundesstaaten der USA nicht einmal mehr in der Geburtsurkunde vermerkt, stattdessen stehen dort dann zwei "Väter". Sie ist nur ein Brutkasten, das Kind hat nie eine Mutter gehabt. Frauenfeindlichkeit mit staatlichem Stempel.

8. Brutkasten und Eizellspenderin wählt man in der Praxis aus zwei unterschiedlichen Katalogen, man kann das online machen, es ist wie Tinder für gute Gene. Der Preis der Leihmutter steigt, je gesünder sie ist und wie gut sie gebären kann. Die Eizellspenderin wird wie eine Zuchtstute angepriesen: Genetik bis in die Generation ihrer Großeltern sauber mit Nachweis, dass sie keine Erbkrankheiten hat. Man kann nach Kategorien suchen wie Hautfarbe, Rasse (!), Herkunft, Augenfarbe, Haare und natürlich die "Ivy League"-Kollektion, kluge Frauen möglichst von Eliteschulen. Dazu hübsche Bilder der Frauen. Man will schließlich kluge und schöne Kinder.

9. Würden wir uns zudem Verträge vornehmen, wie sie in anderen Ländern existieren, dann wird einem schlecht. Viele Agenturen auch aus den USA arbeiten inzwischen auch global: Man nimmt die Frau aus den USA, fliegt sie aber zur Befruchtung in andere billige Länder um Geld zu sparen, gebären muss sie dann in dem Land, das den Bestellern am genehmsten ist oder das die beste Rechtslage hat - für den Kunden. Das ist ein menschlicher Verschiebebahnhof und niemand weiß, welches Land mit seinem Rechtssystem überhaupt zuständig wäre, hätten die Frauen das Geld sich überhaupt juristisch zu wehren gegen eine ganze Mannschaft von Anwälten, die das globale MIlliardengeschäft gut absichern.

Das alles ist so unglaublich frauenfeindlich, ausbeuterisch und die Kinder sind Anschaffungen auf dem Marktplatz der reproduktiven Möglichkeiten.

#Leihmutterschaft







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Re: Leihmutterschaften

Beitrag von Jeannette-Anna Hollmann » Di 21. Jul 2026, 10:29

++ Ein Frauenkörper wurde gemietet, ein Kinderkörper gekauft! ++

Jens Spahn sei „Vater“ geworden, sein Partner Daniel Funke und er seien nun „Eltern“, so liest man in den Medien. Dass die beiden nun aber im Besitz eines Babys sind, ist das Ergebnis eines in den USA abgewickelten Kaufs!

Von „Leihmutterschaft“ wird gesprochen. Doch wurde in den USA nichts verliehen, was wieder zurück gegeben werden würde. Der Körper der Mutter wurde vermietet. Der Körper des Kindes wurde verkauft. Wenn man diesen Vorgang beim Namen nennt, muss man ehrlicherweise von Sklaverei und Menschenhandel sprechen!

Dass Spahns moralisch und in Deutschland auch gesetzlich verbotener Menschenhandel im Ausland stattgefunden hat, ändert nichts. „Könnte er sich eigentlich auch eine Niere im Iran kaufen? Dort ist Organhandel auch nicht verboten“, kommentiert treffend die EMMA-Redakteurin Annika Ross.

Sehen Sie sich jetzt zu diesem Thema das Gespräch zwischen Hedwig von Beverfoerde (Demo für Alle) und Cornelia Kaminski (Aktion Lebensrecht für Alle) zum Fall Hendrik Streeck an:

https://www.youtube.com/watch?v=nQv7dELtLbg

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Re: Leihmutterschaften

Beitrag von Jeannette-Anna Hollmann » Di 21. Jul 2026, 10:39

Leihmutterschaft= käuflicher Menschenhandel!

Damit also menschenverachtend, da für das Kind und die Mutter unnatürliche, schädliche Folgen entstehen.

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